Mit den Commons scheint eine andere Welt möglich

 

Silke Helfrich war ursprünglich anlässlich der Leuphana Conference nach Lüneburg gekommen. Auf Einladung des DialogN blieb die freie Publizistin noch einen Tag länger in der Hanse- und Universitätsstadt, um in einem Bürergespräch im FREIRAUM mit den Commons ihren persönlichen Ansatz für ein alternatives Paradigma zum gegenwärtigen Wirtschaftssystem näher vorzustellen, das sich für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat einsetzt.

Allgemein unterschied die Bildungsreferentin zum Einstieg Gemeinressourcen, die sich entweder durch Nutzung mindern (= rival, z.B. Wasser) oder vermehren (= nicht rival, z.B. Informationen) und damit eine Logik der Fülle folgen. Die theoretische Einführung gliederte die Autorin des Buches „Commons“ in drei Teile, bevor sie dann mit den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern in ein Gespräch einstieg.

Im ersten Teil verwies Helfrich auf die von Elinor Ostrom aufgestellten acht „Design-Prinzipien einer erfolgreichen Organisation von Gemeingütern, für deren Grundlagenforschung die US-amerikanische Professorin 2009 als erste Frau den Wirtschaftsnobelpreis erhielt. Helfrich unterstrich an dieser Stelle, die Wichtigkeit von vertrauenvollen Beziehungen und das Erleben von Fairness, um in einer Gruppe zu gemeinsamen Vorstellung zu kommen.
Peter Linebaugh und seinem Zitat „There is no commons without commoning“ folgend fallen Gemeingüter nicht vom Himmel, sondern sind ein aktiver, sozialer Prozess der Gemeinschaftlichkeit, der sich aus dem Prozess, Ressourcen und Netzwerken ergibt.

Einen zweiten Aspekt stellen Haltungen von Menschen gegenüber den Commons dar. Hierbei verwies die Vortragende u.a. auf Tim-Berners Lee, der als Erfinder der HTML-Sprache und des http-Protokolls sich aus persönlicher Überzeugung dafür einsetzt, dass im W3-Konsortium Grundsätze implementiert sind, die garantieren, die den Zugang zum Internet regeln, so dass dieses frei genutzt und weiterentwickelt werden darf und hierfür patentfreie Standards gelten.

Im dritten Teil ging Helfrich auf commons-basierte-Produktionsweisen ein, die mittels Peer-to-Peer-Produktion und dem OpenSource Gedanken folgend viele Innovationen und Herausforderungen unserer Gesellschaft bewerkstelligen können. So z.B. die Entwicklung eines Autos, das nur 1,5l/100km verbraucht: WikiSpeed.

Nach dem Vortrag ergab sich für die Besucher durch eine Fishbowl-Anordnung die Gelegenheit mit Silke Helfrich direkt ins Gespräch zu kommen.
Dabei kam als erstes das Trittbrettfahrer-Phänomen und die Frage nach sozialer Kontrolle auf. Helfrich warb hierbei dafür, Kontrolle anders zu denken. Hierzu gehört u.a. das Einüben einer Feedback-Kultur, in der Gruppen komplexe Aufgaben lösen (z.B. an der Planschule Jena).

Die Frage, wie die Idee der Commons sich in die Breite skalieren lassen, beantworte Helfrich soweit, in dem sie einen Bottom-Up-Ansatz skizzierte, in dem sich durch Kommunikationsprozesse zunächst weitere Wissens-, Grundsatz- und Wertesysteme ausprägen, die auch neue Politikformen (die u.a. Teilen unterstützen) mitdenken. Über diese Muster von gelingenden Sozialbeziehungen und Systeme können sich dann auch andere Systeme anstecken, die den Commons-Gedanken bislang noch fern liegen.

Für den weiteren DialogN-Prozess in Lüneburg, in dem es u.a. darum gilt, unterschiedliche Kulturen zu integrieren, empfahl Helfrich nach Gemeinsamkeiten Ausschau zu halten, aus denen sich dann eine gemeinsame „Sprache“ für ein gutes Leben entwickelt. So könnten sich die Inidividuen frei, aber verbunden und eingeladen fühlen.

Beim persönlichen Ausblick und der Frage nach den nächsten Schritten, bemerkte Helfrich, dass eine zu starre Zieljustierung Kreativität begrenzen kann. Sie wählt daher eher kurzfristige Schritte, die sich gut anfühlen. Einer davon wird ein neues Buchprojekt sein, in dem die Frage „Was heißt Arbeit in den Commons?“ näher behandelt wird.

Auf diesem weiteren Weg wünschen wir Silke Helfrich alles Gute und danken an dieser Stelle für den inspirierenden Abend.

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